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Husten

Bessert sich ein Husten nach einer Woche nicht, oder fühlt man sich dabei krank, ist immer der Arzt gefragt. Es gibt zahlreiche Ursachen, akute, chronische, harmlose, ernsthafte. Sie betreffen nicht nur die Atemwege, sondern manchmal auch andere Organe


Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Dreimal im Jahr ist noch im Rahmen

Husten wirft zunächst zwei Fragen auf. Die erste lautet: Wie lange hustet der Betroffene schon? Als akut gilt ein Husten, der bis zu drei, höchstens acht Wochen besteht. Dauert er länger, was der Arzt nach Möglichkeit abzuwenden sucht, gilt Husten als chronisch. Die zweite Frage ist: Kommt Sekret mit heraus? Husten ohne Auswurf von Sekret ist trocken und wird als Reizhusten bezeichnet. Ein typisches Beispiel dafür ist der hartnäckige Husten, der viele Betroffene nach einer Erkältung noch länger plagt.


Was ist Husten eigentlich?

Husten ist ein kompliziert geregelter Körperreflex. Dabei aktivieren bestimmte Reize sogenannte Hustenrezeptoren, also Fühler, die sich vor allem in den Atemwegen befinden: im Kehlkopf und Rachen, in der Luftröhre und den Hauptbronchien. Nach Empfang des Hustenreiz-Signals über vegetative Nervenimpulse lösen das Husten- und das Atemzentrum im Gehirn den Hustenreflex aus: rasches und tiefes Einatmen, Verschluss des Kehlkopfs, Zusammenziehen der Atemmuskeln, dadurch hoher Druck auf die elastischen Bronchien bis hin zum Kehlkopf, erneutes Öffnen des Kehlkopfs und abruptes Ausstoßen der Luft.

Den Hustenstoß unterstützt unser wichtigster Atemmuskel, das Zwerchfell. Auch die Bauch- und Rückenmuskeln helfen kräftig mit. Husten lässt sich, wenn es sein muss, willentlich bis zu einem bestimmten Punkt unterdrücken oder bewusst auslösen. Dass die Psyche mitspielt, kommt ebenfalls vor (siehe unten, Abschnitt: „Psychisch bedingter Husten“).


Die gute Seite des – nicht trockenen! – Hustens: Er reinigt die Bronchien. So hilft der Hustenstoß wie übrigens auch Niesen, die Atemwege von Sekreten mitsamt inhalierter Schadstoffe zu befreien. Dabei teilt er sich die Arbeit mit den Flimmerhärchen in den Bronchien. Diese befördern Sekrete nebst darin verfangener Partikel systematisch in Richtung Kehlkopf. Noch ein paar Hustenstöße, und die Sache ist wieder bereinigt. Anders sieht es aus, wenn die Flimmerhärchen geschädigt sind, etwa bei Rauchern, oder wenn das Sekret sich durch eine Krankheit verändert. Zu zäh, zu kompakt oder im Übermaß vorhanden, könnte es die Bronchien verstopfen, Schadstoffe würden überhandnehmen – wäre da nicht der rettende Hustenreflex.

Die Kehrseite der Reinigungsprozedur: Falls dadurch ansteckende Krankheitserreger in die Umgebung gelangen, können sich Infektionen ausbreiten. Und: Husten ist körperliche Arbeit, die geschwächte Menschen schnell erschöpft. Immerhin können bei kräftigen Stößen ungeahnte Luftflussgeschwindigkeiten auftreten: Von bis zu 1000 Kilometern pro Stunde ist da die Rede. Starkes Husten führt bei empfindlichen Menschen mitunter zu Brechreiz oder sogar Bewusstlosigkeit (Fachbegriff: Husten-Synkope). Ist die Bauchdecke sehr schlaff, kann der Druck beim Husten etwa einen Leistenbruch nach sich ziehen. Mitunter kommt es auch zu Nasenbluten, oder vorne im Auge platzt ein Äderchen.

Was sind mögliche Ursachen und Auslöser?

Husten gilt als eines der häufigsten Krankheitssymptome überhaupt. Es gibt kaum eine Atemwegs- und Lungenerkrankung, bei der er fehlt. Ob Reizungen, Entzündungen, Schwellungen und Verengungen der Bronchien oder Lungenkrankheiten: Praktisch immer ist Husten dabei. Entsprechend reichen die Husten-Ursachen von Erkältungskrankheiten und akuten Entzündungen im Rachen, Kehlkopf und in der Luftröhre über Probleme der Bronchien bis zu Lungenentzündungen und chronischen Erkrankungen wie Lungenfibrose oder Lungenkrebs.

Auch Kinder husten viel. Sie sind einfach oft erkältet, im Durchschnitt achtmal pro Jahr. Zudem gibt es noch die sogenannten Kinderkrankheiten, etwa Pseudokrupp, eine Kehlkopfentzündung, die jedoch nicht mit der gefährlichen Kehldeckelentzündung verwechselt werden sollte. Oder Scharlach, Masern und Keuchhusten. Gegen die beiden Letztgenannten zum Beispiel beugt eine Impfung vor, ebenso der Kehldeckelentzündung, bei der aber nicht Husten das Hauptproblem ist, sondern die schwere Atemnot.

Manchmal hat Husten einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt. Zum Beispiel eine Lungenembolie, also einen Gefäßverschluss in der Lunge, oder eine akute Herzschwäche (siehe unten). Weitere, keineswegs seltene Auslöser außerhalb der Atemwege sind Entzündungen der Speiseröhre bei der Rückflusskrankheit oder eine Aussackung der Rachenwand am Übergang zur Speiseröhre, das sogenannte Zenker-Divertikel.

Husten kann außerdem eine Nebenwirkung von Medikamenten sein.


Wann zum Arzt?

Hartnäckiger Husten, der sich nach einer Woche Selbstbehandlung nicht bessert, ist immer ein Grund, zum Arzt zu gehen. Erste Anlaufstelle ist normalerweise der Hausarzt. Er wird prüfen, ob eventuell eine Beratung bei einem anderen Facharzt gefragt ist, etwa einem Arzt für Lungenheilkunde (Pneumologe) oder Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Arzt. Beide Arztgruppen behandeln auch oft allergische Erkrankungen, die in ihren Fachbereich fallen.

Bei akutem Husten, insbesondere wenn er mit Symptomen wie Fieber, Schmerzen beim Atmen, Brustschmerzen oder Atemnot verbunden ist, sollten Sie den Arzt unverzüglich hinzuziehen. Wenn Sie Blutbeimengungen im Auswurf feststellen, müssen Sie das auch abklären lassen. Husten größerer Blutmengen ist ein Notfall, genauso wie Bluterbrechen. Nicht immer ist das auf Anhieb voneinander zu unterscheiden. Verlieren Sie darüber keine Zeit, sondern rufen Sie sofort den Notarzt. Gehen Sie auch zum Arzt, wenn Sie schwanger sind und Husten haben. Hustet Ihr Kind vermehrt, empfiehlt sich ein Besuch mit ihm beim Kinderarzt.

Diagnose

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach der Dauer des Hustens und, falls vorhanden, nach der Beschaffenheit des Auswurfs. Der kann nämlich ganz unterschiedlich aussehen und damit grobe Indizien in Richtung Ursache geben: schaumig oder schleimig, von weißlicher, gelber, grüner (eitriger) oder rostbrauner Farbe oder mit Blut versetzt. Letzteres nennen Mediziner Hämoptoe oder Hämoptyse. Eigentlich steht Hämoptoe für Bluthusten im Sinne des Aushustens größerer Blutmengen – ein Notfall (siehe oben). Dagegen bezeichnet Hämoptyse nur Blutbeimengungen im Hustensekret. Inzwischen werden die Begriffe meistens gleichbedeutend verwendet.

Gelegentlich tritt Auswurf in größeren Mengen zutage, schichtweise aus Schaum, Schleim und Eiter bestehend. Dies kann darauf hinweisen, dass die Bronchien sich krankhaft erweitert haben (Bronchiektasen, siehe unten im Abschnitt „Chronischer Husten“).

Außerdem fragt der Arzt den Patienten nach weiteren Begleitsymptomen. Hat er typische Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, Halsweh, Heiserkeit? Oder Anzeichen für eine Allergie, etwa Heuschnupfen: Augenjucken, Niesreiz, Fließschnupfen, behinderte Nasenatmung? Auch Schmerzen im Bereich der Stirn oder Oberkiefer, Ohrenschmerzen, Brustschmerzen, Fieber, Atemnot, Schluckbeschwerden und einen ungewollten Gewichtsverlust wird der Arzt genauer hinterfragen.

Falls notwendig, kommen bei der ersten Untersuchung aktuelle und frühere Erkrankungen ausführlicher zur Sprache. Es geht dann auch um Krankheiten in der Familie, etwa Neigung zu Asthma. Ebenfalls relevant sein können berufliche Besonderheiten mit möglichen Auswirkungen auf die Atemwege (Stichwort: Berufsasthma). Nach dem Gespräch folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Im Mittelpunkt stehen hier natürlich die Lungen, deren Schall der Arzt von außen „abklopft“. Außerdem hört er mit dem Stethoskop die Atemgeräusche ab. Bei akutem Husten ohne weitere Anzeichen für Komplikationen oder Besonderheiten erübrigen sich zusätzliche Maßnahmen meist.

Anhaltender Husten und ernsthafte Begleitbeschwerden machen weitere Untersuchungen notwendig. Das können beispielsweise Röntgenaufnahmen sein, ein Elektrokardiogramm und bestimmte Bluttests. Auch Analysen des Auswurfs auf Bakterien und Zellbeimengungen oder Allergie- und Lungenfunktionstests können Aufschluss geben. Eventuell koordiniert dies ein Lungenfacharzt (Pneumologe) und übernimmt die weitere Betreuung, zumindest vorübergehend. Bei Bedarf wird er ein die Atemwege genauer abbildendes Verfahren veranlassen, etwa eine Computertomografie (CT, eventuell mit spezieller, hochauflösender Technik) oder eine endoskopische Untersuchung (Spiegelung der Bronchien, Bronchoskopie). Möglicherweise zieht der Hausarzt auch andere Fachärzte hinzu, zum Beispiel einen Arzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder für Magen-Darm-Erkrankungen.


Akuter Husten

Akuter Husten, eventuell mit leichtem Fieber: Dies kommt häufig bei Erkältungskrankheiten vor. Der anfänglich noch trockene Husten fördert im Laufe der Zeit oft einen zähflüssigen, weißlichen Schleim zutage.

Meist infizieren die Erkältungsviren zuerst die oberen Luftwege, also den Nasen-Rachen-Raum. Entsprechende Symptome sind Halsschmerzen, Schnupfen und behinderte Nasenatmung. Bei einer Kehlkopfentzündung leidet auch die Stimme mit: Das bedeutet Heiserkeit, häufiges Räuspern, unter Umständen sogar vorübergehende Stimmlosigkeit. Wenn die Nasennebenhöhlen (Fachbegriff: Sinus) mitbetroffen sind, kommt es häufig zu einem Sekretfluss aus der entzündeten Nebenhöhle in den Rachen sowie Kopfschmerzen oder Schmerzen im Bereich der Stirn oder Oberkiefer. Oft verstärken sie sich beim Bücken, Niesen, Husten oder anderen Erschütterungen. Nach Abklingen der akuten Beschwerden besteht oft noch tagelang ein Reizhusten. Unter ungünstigen Voraussetzungen wie Abwehrschwäche kann mitunter eine Lungenentzündung auftreten (Bronchopneumonie oder Pneumonie). Dass Bakterien im Spiel sind, steht zu vermuten, wenn der Auswurf eitrig und gelblich-grün ist (weitere Symptome einer Lungenentzündung nachfolgend).

Zu den Kennzeichen einer Grippe gehören Gliederschmerzen, rasch ansteigendes Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Mögliche Komplikation ist auch hier eine akute Lungenentzündung (Pneumonie), meist durch Bakterien, die auf die Viren folgen. Für eine Lungenentzündung sprechen Symptome wie ausgeprägter, plötzlich einsetzender, anfangs meist trockener, gegebenenfalls schmerzhafter Husten mit hohem Fieber, Atembeschwerden und schnellem Puls. Oft zeigt sich auch ein leichter, rötlich bis rostbrauner Auswurf. Unangenehm sprießende Lippenbläschen (Lippenherpes) sind ebenfalls keine Seltenheit.

Bei sogenannten atypischen Lungenentzündungen entwickeln sich die Beschwerden eher langsam und halten länger an (siehe auch Abschnitt „Chronischer Husten“). Im Vordergrund stehen meist Glieder- und Kopfschmerzen. Das Fieber ist nicht so hoch, der Husten, falls vorhanden, eher trocken, und Schüttelfrost fehlt.

Mitunter greift die Entzündung auf das Rippenfell über (Pleuritis, Pleuro-Pneumonie). Eine Rippenfellentzündung verursacht neben trockenem Reizhusten meist starke, stechende Schmerzen beim Atmen. Bildet sich ein Rippenfellerguss, dominieren Beschwerden wie Atemnot, Druck- und Engegefühl in der Brust.

Auch bei einer Lungenembolie kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Sie entsteht im nicht mehr durchbluteten und infolgedessen geschädigten Lungengewebe, in dem sich leicht Keime festsetzen (siehe unten).

Menschen, deren Immunabwehr durch eine Krankheit, durch eine spezielle Therapie oder beides beeinträchtigt ist oder die bettlägerig und gebrechlich sind, neigen vermehrt zu Lungenentzündungen. Der Arzt wird im Einzelfall entscheiden, welche Vorbeugungsmaßnahmen sinnvoll sind. Ein Beispiel: Patienten, die an einer ausgeprägten Colitis ulcerosa leiden und eine Therapie erhalten, die in das Immunsystem eingreift, empfehlen Ärzte manchmal eine Impfung gegen bestimmte Infektionen, etwa Grippe und Lungenentzündung (durch Pneumokokken).

Bei Beschäftigten in der Landwirtschaft kann eine sogenannte Farmerlunge auftreten. Akut zeigt sie sich als allergische Reaktion auf Schimmelpilz- oder Tierkotbestandteile in Staub. Es kommt zu Atembeschwerden, Husten, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen, ähnlich wie bei einer Lungenentzündung (Fachbegriff: exogen-allergischen Alveolitis, Alveolitis bedeutet Entzündung der Lungenbläschen). Die rechtzeitige Diagnose ist wichtig, um einer chronischen Entzündung vorzubeugen (siehe Abschnitt „Chronischer Husten“).

Mehr zum Thema Lungenentzündung einschließlich Diagnose und Therapie finden Sie in einem eigenen Beitrag – bitte klicken Sie hier.

Husten mit akutem Brustschmerz, Atemnot oder flacher, beschleunigter Atmung, Blauverfärbung von Lippen und Haut, mit kaltem Schweiß, Kreislaufschwäche oder Kollaps ist jeweils ein absoluter Notfall. Mögliche Ursachen hier: ein schwerer Asthmaanfall (eventuell, aber nicht notwendigerweise ist die Ausatmung hörbar ziehend), ein Fremdkörper in den Atemwegen (ziehende Einatmung), eine Lungenembolie (siehe oben; blutiger Auswurf beim Husten möglich), ein Pneumothorax (Kollaps einer oder sogar beider Lungen bei Eintritt von Luft in den Lungenfellspalt; trockener Husten).

Eine akute Husten-Ursache außerhalb der Lungen – und ebenfalls ein Notfall – ist zum Beispiel ein Herzinfarkt, der zu einer akuten Herzschwäche führt. Da das Herz dann nicht mehr genügend Blut fördert, werden die vorgeschalteten Lungengefäße überlastet. Dann kann es zu einem Lungenödem kommen. Dabei tritt Flüssigkeit aus den kleinsten Gefäßen in die Lungenbläschen über. Dies ist häufig mit einer hörbar „brodelnden“ Atmung, Atemnot und Husten verbunden. Es kann sich ein schaumiger Auswurf zeigen. Verengen sich auch die Bronchien, verstärkt das die Atembeschwerden. Haut, Lippen, Nägel und Schleimhäute nehmen eine grau-blau-violette Farbe an (Fachbegriff: Zyanose). Die Betroffenen leiden unter starken Angstgefühlen und sind sehr unruhig. Rufen Sie umgehend den Notarzt!

Ein Lungenödem kann auch infolge anderer Herzerkrankungen auftreten, bei denen das Herz zu wenig Blut in den Körperkreislauf pumpt, etwa ein deutlich verlangsamter Herzrhythmus. Außerdem kann es Folge eines krisenhaft entgleisten Bluthochdrucks, Nierenversagens, allergischer Schockreaktionen und Vergiftungen sein, etwa Brand- oder Reizgasvergiftungen. Hier kommt es neben Husten und Atemnot meist zu Augenbrennen und -tränen (Bindehautentzündung), auch die Nasenschleimhaut ist gereizt. Bergsteiger, die sich in Höhen über 3000 Metern bewegen, entwickeln mitunter ein sogenanntes Höhenlungenödem.

Manchmal sind heftige Hustenattacken Folge eines Verschluckens von Speichel oder schlicht eine Reaktion auf zu trockene Raumluft und / oder langes Sprechen, das die Stimme strapaziert.


Chronischer Husten

Allerspätestens wenn Husten länger als acht Wochen anhält, wird der Arzt die Atemwege, bei Bedarf auch andere Organe, eingehender untersuchen wollen. Die oberen Atemwege reichen vom Mund und Nasen-Rachenraum einschließlich Nebenhöhlen bis zum Kehlkopf nebst Stimmbändern. Für dieses Gebiet sind in erster Linie Hals-Nasen-Ohren (HNO-)Ärzte zuständig. Lungenfachärzte konzentrieren sich auf die unteren Atemwege: die Luftröhre, Bronchien und Lungen. Im Blick haben sie auch noch den Mittelfellraum zwischen den Lungen, das sogenannte Mediastinum, und das Brustfell (Fachbegriff Pleura, umgangssprachlich meist Rippenfell genannt). Es kleidet die Brusthöhle aus.

Ursachen in den oberen Atemwegen

Nasennebenhöhlen

Eine keineswegs unbedeutende Rolle bei chronischem Husten spielen Entzündungen der Nasennebenhöhlen – akut, und in der Folge auch chronisch. Wenn sich die Entzündung festsetzt, beruht das meistens auf Belüftungsstörungen. Schuld an der mangelnden Luftzufuhr sind zum Beispiel oft anatomische Veränderungen der Nase: Sporne und Fehlstellungen der Nasenscheidewand, oder eine zu große mittlere Nasenmuschel. Das ist einer von drei mit Schleimhaut überzogenen Knochenwülsten, die in die Nasenhöhle hineinragen. Ein weiterer Grund sind Nasenpolypen – Schleimhautpolypen der Nebenhöhlen (Fachbehriff: Polyposis nasi oder Adenoide), die sich in die Nase vorwölben. Seltenere Ursachen (Erwachsene) sind Erkrankungen wie die Wegener-Granulomatose. Dabei kommt es unter anderem in den Atemwegen zu entzündlichen Knötchen, die zu Geschwüren und Gewebeschäden neigen. Die Nase kann sich dabei sogar verformen. Bei Kleinkindern behindern neben kleinen Fremdkörpern, die sich in die Nase verirrt haben, häufig auch verdickte Mandeln die Belüftung der Nebenhöhlen.
Zu den Symptomen der chronischen Nebenhöhlenentzündung gehören eine behinderte Nasenatmung, ein Druckgefühl oder Schmerzen im betroffenen Bereich, zum Beispiel über der Kieferhöhle, und ein schleimig-eitriger Sekretfluss in den Rachen. Das ständig fließende Sekret (engl. postnasal drip) löst offenbar einen permanenten Reizzustand mit Kloßgefühl im Hals, Hustenreiz, Heiserkeit und Räusperzwang aus. Teilweise ist auch der Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt. Mit diesen auch Postnasal-drip-Syndrom genannten Beschwerden haben vor allem Kinder und jüngere Erwachsene zu tun. Den ständigen Hustenreiz führen Ärzte zum Teil auch auf einen überempfindlichen Hustenreflex zurück.

Zwischen Polypen, Allergien und Asthma gibt es enge Zusammenhänge. Lesen Sie mehr darüber im Ratgeber „Nasenpolypen“ und im Beitrag „Nasennebenhöhlenentzündung“.

Ohren

Gelegentlich können chronische Erkrankungen im Gehörgang Husten auslösen. Als Vermittler wirken letztlich Nervenreize aus dem Ohrnerv, der wiederum Verbindungen zum vegetativen Nervensystem hat. Dieses bahnt den Hustenreflex (siehe Abschnitt „Was ist Husten eigentlich?“ eingangs). Meist machen dann weitere Beschwerden den HNO-Arzt schnell auf die Hustenquelle aufmerksam, etwa Juckreiz im Ohr, Ausfluss oder eine Hörminderung.

Rachen

Im Rachen kommen chronische Entzündungen (Fachbegriff in der Einzahl: Pharyngitis sicca) und Ausstülpungen der Rachenwand, sogenannte Divertikel, selten Tumoren als Ursachen von Husten infrage.

Eine Pharyngitis sicca der Rachenschleimhaut kann vorliegen, wenn länger als drei Monate Beschwerden wie Reizhusten, Räusperzwang sowie ein ständiges Trockenheitsgefühl im Hals vorhanden sind. Da die Nasenatmung behindert ist, atmen viele Betroffene fast nur noch durch den Mund. Das Krankheitsbild tritt ebenfalls häufig bei chronischer Nasennebenhöhlenentzündung (siehe oben) auf.

Ältere Männer entwickeln mitunter an der Rachenhinterwand, am Übergang zur Speiseröhre, eine Aussackung, das sogenannte Zenker-Divertikel. Ab einer bestimmten Größe führt es zu Schluckbeschwerden und Hustenreiz beim Essen. Beim Trinken sind gurgelnde Geräusche möglich. In größeren Divertikeln können sich Speisereste ansammeln, die später wieder hochkommen. Häufige Komplikationen sind Lungenentzündungen.
Was es mit Divertikeln in der Speiseröhre auf sich hat, darüber informiert Sie der Ratgeber „Schluckstörungen". Klicken Sie dort auf das Kapitel Speiseröhre“.

Tumoren im Rachenbereich spielen hinsichtlich Husten eine untergeordnete Rolle. Am häufigsten kommt noch das sogenannte Hypopharynxkarzinom vor. Dieser bösartige Tumor führt in erster Linie zu Schmerzen beim Schlucken, die auf der betroffenen Seite ins Ohr ausstrahlen. Weitere mögliche Symptome sind Schluckstörungen und Mundgeruch, ab einer bestimmten Größe eventuell auch Hustenreiz und Atemnot.


Kehlkopf und Stimmbänder

Kehlkopfentzündungen sowie Erkrankungen und Funktionsstörungen der Stimmbänder können die Stimme erheblich verändern. Oft kommt es zu Heiserkeit, oder die Stimme klingt gepresst. Manchmal bleibt sie auch ganz weg. Viele Betroffene empfinden ein Kloßgefühl im Hals, manche haben außerdem Reizhusten.

Spezielle Probleme der Stimmbänder, die häufig mit chronischem Husten verbunden sind, heißen „Vocal cord dysfunction“ (VCD, aus dem Englischen übersetzt: Stimmbandfunktionsstörung) und „Reactive airways dysfunction syndrome“, kurz: RADS, alte Bezeichnung: chronisch-irritatives Asthma bronchiale).

Bei Patienten mit VCD neigen die Stimmbänder dazu, sich anfallsweise krampfhaft beim Ein- oder Ausatmen zu verschließen. Die Folge sind teilweise beträchtliche Atemnot-Anfälle. Die Beschwerden ähneln Asthma, sprechen aber nicht auf entsprechende Medikamente an, es sei denn, es liegt gleichzeitig Asthma vor. Die Betroffenen, überwiegend jüngere Frauen, erleben die Störung oft als extrem bedrohlich und reagieren entsprechend panisch. Auslösend sind unter anderem Hustenanfälle als solche, zudem psychische Faktoren (siehe unten, Abschnitt: „Psychisch bedingter Husten“).

Der Name „Reactive airways dysfunction syndrome“ (RADS) steht für ein asthmaähnliches Krankheitsbild, das sofort oder spätestens innerhalb 24 Stunden nach Inhalation von Rauch, Gasen, Stäuben und Dämpfen auftritt, die atemwegsreizende Stoffen in hoher Konzentration enthalten. Die Liste der infrage kommenden Substanzen ist lang. Voraussetzung für die Diagnose ist neben der lungenärztlichen beziehungsweise arbeitsmedizinischen Abklärung unter anderem, dass die Betroffenen vor dem Inhalationszwischenfall keine Atembeschwerden hatten. Die Symptome ähneln denen von Asthma: Hustenreiz, bestimmte Geräusche bei der Ausatmung, Ärzte nennen es „Pfeifen und Giemen“, Atemnot.

An Kehlkopfkrebs erkranken Männer sehr viel öfter als Frauen, meist ab dem mittleren Lebensalter. Es ist der häufigste bösartige Tumor im Hals-Nasen-Ohrenbereich. Daher wird der HNO-Arzt bei einer Heiserkeit (Frühsymptom!), die länger als drei Wochen besteht, immer auch einen Kehlkopfkrebs ausschließen. Weitere Symptome: Druck- und Kloßgefühl im Hals, später Beschwerden wie Atemnot, Hustenreiz, blutiger Auswurf.
Mehr über das Krankheitsbild erfahren Sie im Ratgeber „Kehlkopfkrebs“.

Ursachen in den unteren Atemwegen

Dieser Teil des Atemtraktes ist in Bezug auf Husten von zentraler Bedeutung. Im Mittelpunkt stehen hier ganz klar die Bronchien. In anatomischer Reihenfolge ist aber zuerst die Luftröhre an der Reihe.



Obere Atemwege, Luftröhre (hellblau) und Weg der Speisen (blau). Beim Husten oder Schlucken verschließt der Kehldeckel den Kehlkopf kurz

Luftröhre

Tracheo- und Bronchomalazie: Dahinter verbirgt sich eine Ausatmungsstörung aufgrund einer Instabilität der Luftröhre und der Hauptbronchien. Der Grund: Die Wand der Atemröhren ist zu weich und schlaff (Malazie bedeutet Erweichung). In der Folge fallen sie beim Ausatmen sozusagen in sich zusammen, was die Ausatmung behindert. Ist die Kollapsneigung angeboren, macht sie sich schon im Kindesalter bemerkbar. Häufiger kommt die Störung im Erwachsenenalter zum Tragen, etwa als Folge einer chronischen Bronchitis oder COPD, nach einem Luftröhrenschnitt oder einer Verletzung der Luftwege. Mitunter sind sehr spezielle, seltene Erkrankungen der Luftröhre schuld. Teilweise soll auch ein Rückfluss von Magensäure die Malazie begünstigen (siehe unten, Rückflusskrankheit).
Zu den Symptomen gehören chronischer, teils unstillbarer Husten, mitunter mit der Folge einer kurzen Ohnmacht (Hustensynkope). Der Husten kann trocken sein oder geht mit Auswurf einher, der mitunter auch blutig ist. Außerdem kommt es zu Atemnot mit „ziehenden Pfeifgeräuschen“ bei der Ausatmung. Die Betroffenen neigen immer wieder zu Atemwegsinfekten.

Bronchien

Vier Erkrankungen der Bronchien sind die Hauptursachen chronischen Hustens:

  • chronische Bronchitis (Raucherhusten),
  • chronisch-obstruktive Bronchitis (die Abkürzung COPD steht für den englischen Begriff chronic obstructive pulmonary disease),
  • chronischer asthmaähnlicher Husten,
  • Asthma.


Seltener verantwortlich sind Bronchiektasen (erweiterte Bronchien) mit und ohne Mukoviszidose, die sogenannte eosinophile Bronchitis sowie eine chronisch-bakterielle Bronchitis, etwa durch einen nicht erkannten Fremdkörper in einem Bronchus. So etwas kommt zum Beispiel ab und zu bei Kindern vor.

Chronische Bronchitis alias Raucherhusten gilt als häufigste Ursache chronischen Hustens überhaupt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert ihn so: „An den meisten Tagen des Jahres kommt es zu Husten und Auswurf, mindestens aber drei Monate lang in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Zugleich müssen andere Erkrankungen, die zu Husten führen, ausgeschlossen sein.“ Ein Problem ist, dass sich Raucher an ihren Husten gewöhnen und ihn für normal halten. Daher gehen die wenigsten damit zum Arzt. Unter Umständen wird eine andere, möglicherweise ernsthafte Husten-Ursache so leicht übersehen. Falls es doch zum Besuch beim Arzt kommt und dieser feststellt, dass die Bronchien dazu tendieren, sich bei bestimmten Reizen zu verengen (Obstruktion), würde die Diagnose statt chronischer Bronchitis nun chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD) lauten. Die gute Nachricht: Rauchstopp kann bewirken, dass sich der Husten nach gewisser Zeit bessert, und weitere Schäden verhindern. Schließlich fördert Rauchen auch Krebs.

Was chronische Bronchitis / COPD genau ist, lesen Sie im entsprechenden Ratgeber. Auch zu Asthma gibt es einen eigenen Beitrag.

Chronischer asthmaähnlicher Husten: Husten und Asthma gehen oft Hand in Hand. Bei Asthma, sei es akut oder chronisch, gehört Husten zu den Leitsymptomen. Umgekehrt kann heftiger Reizhusten in einen akuten Asthmaanfall übergehen. Doch es ist noch komplizierter: Es gibt nämlich auch chronischen Husten ohne weitere Asthmazeichen, allerdings mit einer gewissen Asthmabereitschaft. Das bedeutet: Der Lungenfacharzt stellt ein überempfindliches Bronchialsystem wie bei Asthma fest. Jedoch verengen sich die Bronchien nicht, wenn sie zum Beispiel bei einer Lungenfunktionsprüfung typischen Asthmareizen ausgesetzt sind. Daher wird dieser Husten auch als Asthmaäquivalent (asthmaähnlich) bezeichnet. Dazu passt, dass er gut auf Asthmamedikamente anspricht.

Dies gilt übrigens auch für die sogenannte eosinophile Bronchitis, die insbesondere auf inhaliertes Kortison reagiert. Eosinophile sind bestimmte weiße Blutkörperchen, die sich vermehrt bei allergischen Erkrankungen finden, im vorliegenden Fall vor allem im Auswurf. Die Betroffenen haben chronischen Husten, aber die Lungenfunktionsprüfung ist ohne Befund. Feingeweblich zeigen sich in Gewebeproben, die der Arzt bei einer Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) entnimmt, allerdings doch gewisse Veränderungen wie bei Asthma.

Bronchiektasen: Darunter versteht man dauerhaft erweiterte Bronchien. Die Erweiterungen sind Folge anderer erworbener Lungenkrankheiten, etwa chronischer Lungengewebserkrankungen (siehe unten), Entzündungen, COPD oder Einengungen von Bronchien aus anderer Ursache. Außerdem treten sie bei angeborenen Erkrankungen wie der Mukoviszidose auf (der zweite Name lautet cystische Fibrose, Husten gehört hier frühzeitig zu den führenden Beschwerden). Patienten mit Bronchiektasen neigen zu wiederholten bakteriellen Infektionen der Bronchien oder Lungen. Schleim, der liegen bleibt, zieht Bakterien an, was immer wieder zu erheblichen Entzündungen in den Bronchien und noch mehr Schleim führt.
Leitsymptome sind Husten und große Mengen Auswurfs (siehe auch Abschnitt Diagnose). Auf Dauer kann sich ein sogenanntes Lungenherz entwickeln (siehe unten, Lungenfibrose).

Lungenkrebs beginnt in der Regel in den Bronchien und wird daher auch Bronchialkarzinom genannt. Er führt anfangs kaum zu Beschwerden. Bei einer Diagnose wie Raucherhusten (siehe oben) sollten Betroffene sich nicht in falscher Sicherheit wiegen: Husten und Auswurf, besonders mit Blutbeimengungen, sind immer verdächtig und sollten sorgfältig kontrolliert werden. Im weiteren Verlauf der Lungenkrebs-Erkrankung können Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Brustschmerzen, Atemnot, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust auftreten.
In den Bronchien kommen auch noch andere Tumoren vor, sie sind aber selten. Leitsymptom ist meistens Husten.
Eingehend informiert Sie der Beitrag „Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)“ über die Erkrankung.


Lungen

Hinter chronischem Husten können sich natürlich auch verschiedene Lungenerkrankungen verbergen. Zu nennen sind sogenannte System-Erkrankungen, die neben anderen Organen das Lungengewebe mit einbeziehen und daher auch Lungengewebserkrankungen heißen. Hier ordnen Ärzte einmal entzündlich-rheumatische Gefäßerkrankungen ein wie den Morbus Wegener (Morbus bedeutet Krankheit), sodann rheumatische Bindegewebserkrankungen wie den systemischen Lupus erythematodes (SLE). Dazu kommen sogenannte granulomatöse Erkrankungen, zum Beispiel die Sarkoidose.
Weitere Untergruppen von Lungengewebserkrankungen sind die sogenannten interstitiellen Lungenerkrankungen in Form der Lungenfibrosen und der Pneumokoniosen, also der verschiedenen Arten der Staublunge.

„Interstitiell“ bezieht sich auf bestimmte Strukturen in der Lunge, die sich durch eine chronische Entzündung verändern. Es gibt zahlreiche Ursachen, manchmal lässt sich jedoch kein spezieller Auslöser finden. Durch die ständige Entzündung kann das Bindegewebe in der Lunge zunehmen. Dann entsteht eine Fibrose (siehe nachfolgend).

Auch anhaltende Belastung mit mineralischen Stäuben, zum Beispiel siliziumhaltigen Emissionen, bestimmte Medikamente und Strahlenbehandlungen können Lungenfibrosen beziehungsweise – im Falle der Staubbelastung – Pneumokoniosen nach sich ziehen. Letztere sind als Berufskrankheiten anerkannt.
Symptome bei Lungenfibrose: Es entwickelt sich ein chronischer Reizhusten, je nach Ursache tritt zeitweise leichtes Fieber auf. Später kommen Kurzatmigkeit und Atemnot dazu.

Organische Stäube, die zum Beispiel Bestandteile von Vogelkot oder Pilzen enthalten, lösen mitunter eine allergische Gewebereaktion in den Lungen aus. Sie beginnt meist akut, zum Beispiel als allergische Alveolitis (siehe Abschnitt „Akuter Husten“). Unbehandelt beziehungsweise ohne vorbeugende Maßnahmen kann sie in ein chronisches Stadium mit Fibrose übergehen. In der Folge kann sich ein sogenanntes Lungenherz entwickeln. Hier treten zu Husten und Atemnot noch verschiedene Komplikationen im Körperkreislauf dazu. Es entsteht eine Herzschwäche, die zunächst die rechte Herzhälfte betrifft. Sie ist den Veränderungen in der Lunge am meisten ausgesetzt. Später kann die Schwäche das gesamte Herz erfassen und in ein Herzversagen münden.

Auch bei chronischen Erkrankungen der linken Herzhälfte leiden Patienten manchmal dauernd unter Husten, oft bei körperlicher Anstrengung oder im Liegen. Ursache ist meist eine chronische Linksherzschwäche (Linksherzinsuffizienz). Diese beruht häufig auf einer Herzkranzgefäßerkrankung (Koronare Herzkrankheit, KHK). Manchmal liegt zugleich eine chronisch-obstruktive Bronchitis vor. Dann bezieht sich der Husten (vermutlich) auf beides.

Nicht zuletzt husten Patienten mit Schluckstörungen viel, weil Nahrung versehentlich in die Luftwege gelangt ist (Aspiration). In der Folge kann es zu einer Entzündung und Schädigung eines Bronchus (siehe oben: Bronchiektasen) oder zu einer Lungenentzündung kommen. Der Arzt spricht dann von einer Aspirationspneumonie.

Als ein Beispiel für Infektionskrankheiten der Lungen, die unbehandelt typischerweise mit anhaltendem Husten einhergehen, sei die Tuberkulose genannt. Zwar ist sie in Deutschland selten geworden. Aber als „Reisekrankheit“ oder bei Migranten sowie Patienten mit Immunschwäche spielt sie durchaus eine Rolle.
Einen umfassenden Überblick dazu gibt Ihnen der Ratgeber „Tuberkulose“.

Chronischer Husten unbekannter Ursache (nach Diagnostik): Diese Diagnose stellen Ärzte nur dann, wenn sie alle denkbaren Krankheitsursachen ausgeschlossen haben. Das beinhaltet, dass auch eine Spiegelung der Bronchien, eine Bronchoskopie, ergebnislos blieb. Angenommen wird, dass manche Betroffenen eine niedrigere Hustenschwelle haben, was sich aber nur schwer nachweisen lässt.


Medikamente

Einige Medikamente, darunter sogenannte ACE-Hemmer und Betablocker, die bei Herz-Kreislauf-Krankheiten eingesetzt werden, ferner entzündungshemmende Arzneistoffe (sogenannte nicht steroidale Antirheumatika) oder Präparate zum Inhalieren gegen Asthma, etwa kortisonhaltige Sprays, können als Nebenwirkung Husten auslösen. Die Liste der infrage kommenden Arzneimittel ist aber noch länger. Bei Verdacht auf einen Arzneistoff als mögliche Husten-Ursache empfiehlt es sich, den Arzt oder Apotheker um Rat zu fragen. Der Arzt wird entscheiden, ob das verdächtigte Medikament zumindest testweise abgesetzt werden kann.

Rückflusskrankheit und andere Probleme der Speiseröhre

Am Übergang vom Magen in die Speiseröhre liegt eine ungewöhnlich anmutende Ursache von chronischem Husten, nämlich die Rückflusskrankheit (Fachbegriff: gastroösophageale Refluxkrankheit, engl. Abkürzung = GERD). Dabei fließt vor allem im Liegen saurer Mageninhalt über die Speiseröhre (gastroösophageal) bis in den Kehlkopf oder gar in die Bronchien. Das hängt damit zusammen, dass de Schließmuskel, der nach der Nahrungspassage die Speiseröhre abdichtet, geschwächt ist. Allerdings haben nicht alle Patienten mit einem Reflux auch Husten. Häufig bestehen neben dem Reizhusten Sodbrennen oder eine chronische Kehlkopfentzündung mit Heiserkeit. In der Speiseröhre kann die Magensäure Entzündungen oder sogar Geschwüre verursachen. Ärzte sehen auch Zusammenhänge zwischen dem Rückfluss von Magensäure und bestimmten Stimmbandveränderungen (Granulomen) sowie Malazien (Erweichungen) der Luftröhre und großen Bronchien (siehe oben, Tracheomalazie).

Auch andere Erkrankungen der Speiseröhre können mit Husten einhergehen. Meist führen sie aber vor allem zu Beschwerden wie Schluckstörungen, Rückfluss von Nahrung und Schmerzen im Brustkorb oder Oberbauch.

Die genaue Diagnose wird hier jeweils ein Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (ein Gastroenterologe) stellen.

Psychisch bedingter Husten

Mitunter kann Husten auch psychische Ursachen haben. Ärzte sprechen dann von psychogenem Husten. Im aktuellen Sprachgebrauch hat sich statt psychogen der Begriff somatoforme Störung durchgesetzt (von soma-, griech. Körper). Er bezieht sich auf körperliche Störungen, bei denen sich keine körperlichen Ursachen finden lassen.

Psychisch bedingter Husten kommt insgesamt eher selten vor. Die Diagnose obliegt einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder psychosomatische Medizin. Zuvor muss eine jegliche Atemwegs- oder andere Organerkrankung ausgeschlossen worden sein.

Husten ist als vegetative Reaktion, ähnlich wie kalte Hände oder vermehrtes Schwitzen, funktionell möglich, also auch ohne auslösende Organveränderungen. Besonders wenn jemand zum Beispiel in der vegetativen Richtung Beschwerden hat und zudem häufiger einen Hustenreiz, ständiges Hüsteln oder einen Räusperzwang verspürt, kann ein psychischer Hintergrund infrage kommen. Möglicherweise lässt sich bei der psychotherapeutischen Aufarbeitung eine seelische Belastung, ein Konflikt oder eine Angstsituation ausmachen.

Bei anderen psychischen Störungen wie sogenannten Tics kann ebenfalls ein nicht organisch bedingter Husten auftreten.

Auch Stimmstörungen (siehe oben: Abschnitt „Chronischer Husten, Kehlkopf und Stimmbänder, VCD“) sind manchmal psychisch geprägt. So wird für die VCD mit ihren erheblichen Atemnotanfällen und Hustenreiz unter anderem psychischer Stress als Auslöser beschrieben. Therapeutische Ansätze bieten hier Verfahren wie die Logopädie (Sprach- und Stimmtherapie), Atemphysiotherapie (siehe unten) und Verhaltenstherapie.

Manche funktionellen Stimmstörungen haben aus Sicht von Psychologen einen dissoziativen Hintergrund. Dissoziativ bedeutet in etwa, dass psychische und körperliche Vorgänge, die man normalerweise als untrennbaren Teil seiner selbst wahrnimmt, sich voneinander entfernen. Etwas davon spaltet sich schließlich ab und entwickelt ein Eigenleben. Dahinter stehen vielfältige mögliche Motive. Meist sind es ungelöste seelische Konflikte oder unangenehme Gefühle, die nicht zugelassen werden, für den Betroffenen also tabu sind. Begleitend kann eine depressive Störung oder ein Erschöpfungszustand vorliegen. Nicht selten geht aber tatsächlich auch ein Atemwegsinfekt voraus.
Symptome: Es kommt zu einem veränderten Stimmklang, zu Wechseln der Tonhöhe, erschwertem Stimmeinsatz und geschwächter Lautstärke der Stimme. Manchmal können die Betroffenen nur noch flüstern. In anderen Fällen kann die Stimme auch zu laut oder zu hoch klingen. Dazu treten unter anderem Beschwerden wie Heiserkeit, Räusperzwang, Brennen und Trockenheitsgefühl im Hals auf.


Therapie

Sie richtet sich stets nach den Krankheitsursachen und kann spezielle Behandlungsverfahren beinhalten. Aber es gibt auch eine symptomatische Hustentherapie. Dazu nur so viel: Hustenstiller (Antitussiva) und Schleimlöser (Expektoranzien) sind auf pflanzlicher Basis oder mit synthetischen Wirkstoffen verfügbar. Als Heilpflanzen haben sich unter anderem Spitzwegerich und Isländisch Moos als Hustenstiller sowie Efeu und Thymian als Hustenlöser bewährt.
Zu den synthetischen Schleimlösern gehören beispielsweise Stoffe wie Ambroxol oder N-Acetylcystein. Kaliumjodid unterstützt ebenfalls das Abhusten von Schleim. Je flüssiger der Schleim, desto besser wird man ihn los. Daher empfiehlt es sich, stets genügend Flüssigkeit zu trinken. Wenn medizinische Gründe gegen eine erhöhte Trinkmenge sprechen oder der Magen schnell empfindlich reagiert, ist Inhalieren (siehe auch unten) mit warmen Dämpfen oft besser verträglich.

Ein hustenstillendes Medikament wird der Arzt befürworten, wenn der Husten stark belästigend ist, vor allem auch nachts, oder wenn bei einem Reizhusten zunächst keine spezielle behandelbare Ursache gefunden wurde. Dämpfend auf das Hustenzentrum wirkt zum Beispiel der Hustenstiller Kodein, ein natürlich vorkommendes, verschreibungspflichtiges Opiat. Auch der Stoff Dextrometorphan lindert Hustenreiz. Die Sustanz ist in vielen Mitteln gegen Erkältung, Grippe und Husten enthalten. In der empfohlenen Dosis, die Sie unbedingt beachten sollten, ist das Risiko von Nebenwirkungen gering, und der Arzneistoff gilt als gut verträglich. Aufgrund einer bestimmten Veranlagung kann es bei einigen Menschen jedoch schon bei eher niedrigen Dosierungen zu psychischen Veränderungen kommen. Das Medikament verträgt sich zudem nicht mit bestimmten Antidepressiva oder Alkohol. Ihr Arzt oder Apotheker wird Sie genau über die Anwendung informieren. Lesen Sie auf jeden Fall immer auch den Beipackzettel.

Achtung: Hustenstiller und Hustenlöser sollten Sie nicht gleichzeitig einnehmen. Bildet sich spontan viel Sekret, soll dieses möglichst abgehustet, der Husten also nicht unterdrückt werden.

Ob Tees, Tropfen, Pastillen oder Säfte – in der Apotheke gibt es die verschiedensten Zubereitungen. Auch Inhalieren mit ätherischen Ölen oder Balsamen als Zusatz empfinden viele als wohltuend. Für Säuglinge kommt das allerdings nicht in Frage, und bei Kleinkindern entscheidet der Arzt darüber.

Mitunter wird der Arzt ein Antibiotikum verordnen und weitere Maßnahmen, etwa eine Atemphysiotherapie, empfehlen. Dabei erlernt der Betroffene, bestimmte Haltungen und Atemtechniken einzusetzen. Ein Beispiel ist die sogenannte Lippenbremse, das heißt Ausatmen gegen den Widerstand der halb geschlossenen Lippen. Atem-Physiotherapeuten ziehen außerdem bestimmte Geräte zum Üben heran.

Weitere praktische Tipps gegen Husten finden Sie im Ratgeber „Erkältung“.


Fachliteratur:

Kardos P. et al.: Leitinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten Pneumologie 2010; 64: 336-373

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Leitlinie Nr.11: Husten
omikron publishing Düsseldorf 2008

Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2012

A. Viktor, S. Linke, C. Dahlmann: Crashkurs Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Elsevier / Urban & Fischer, 2. Aufl. 2007

H. Morschitzky: Somatoforme Störungen
Springer Wien New York, 2. Aufl. 2007


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



www.apotheken-umschau.de; 05.03.2009, aktualisiert am 22.02.2012
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel, PhotoDisc/ RYF

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